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Gründertagebuch

Münchner Wissenschaftler
machen Spinnenseidenprotein für
techn. Anwendungen nutzbar.


Einzigartige Technologie
als Basis für Unternehmensgründung genutzt


Ins Netz gegangen ist Dr. Thomas Scheibel im Jahr 2001, als er die feinen Spinnenfäden an der chemischen Fakultät der Technischen Universität (TU) München zu erforschen begann. Der Biochemiker hatte es sich damals zum Ziel gesetzt, mit seiner Arbeitsgruppe „Fiberlab“ das Spinnseidenprotein für technische Anwendungen nutzbar zu machen. Dr. Lin Römer, damals mitten in der Promotion am gleichen Lehrstuhl, schaute zunächst noch interessiert aus der Ferne zu. Heute, fünf Jahre später, haben die beiden Wissenschaftler den zweiten Platz beim Businessplanwettbewerb Sciene4Life belegt und stehen kurz vor der Gründung ihres Unternehmens AMSilk.
Das AMSilk-Team

AMSilk
München / Bayern


Petra Nicklaus, Dr. Lin Marc Römer,
Dr. Thomas Scheibel, Kristina Spieß

Kontakt:


Dr. Lin Marc Römer
Technische Universität München
Department Chemie / Biotech IV
Lichtenbergstr. 4, 85747 Garching

Tel: +49 (0)89 289 13179
Fax: +49 (0)89 289 13345

Phase 1:
Technologieentwicklung

Die wissenschaftliche Herausforderung


Die Geschäftsidee von AMSilk überzeugt: Spinnfäden sind äußerst stabil und gleichzeitig hervorragend dehnbar. Es gibt keinen anderen Stoff, der derartige mechanische Eigenschaften vereint. Dies macht die Spinnseide interessant für eine Vielzahl von Anwendungen, beispielsweise in der Textilbranche, der Kosmetik oder der Medizintechnik. Doch warum ist diese Faser so stabil ? Das war die wissenschaftliche Herausforderung, die im Jahr 2001 Scheibels Forscherdrang weckte. Angefangen hat alles mit einem Stellenangebot der TU München, das den Biochemiker 2001 während eines Forschungsaufenthaltes in den USA erreichte. Nachfolgend schildert Scheibel aus eigener Sicht, was sich damals zugetragen hat:

Phase 2:
Unternehmensgründung

Die marktwirtschaftliche Herausforderung


Dr. Thomas Scheibel hat mit seinem Fiberlab-Team an der Technischen Universität München das unmöglich Scheinende möglich gemacht: Mit Hilfe eines von ihm entwickelten, einzigartigen Verfahrens lässt sich natürliches Spinnseidenprotein jetzt in großtechnischem Maßstab erzeugen. Seitdem diese Nachricht 2004 durch die Presse ging, konnte sich der Biochemiker vor Anfragen aus der Industrie kaum noch retten. Deshalb hatte er sich entschlossen, die neuartige Technologie als eigenständiger Unternehmer zu vermarkten. Sein Partner Dr. Lin Römer übernahm dabei den operativen Part und entwickelte das Gründungskonzept für die künftige Firma. Über die Höhen und Tiefen der Businessplanerstellung berichtet der Chemiker rückblickend:
• Juni 2001
> November 2001
> Mai 2004
> November 2004
> Dezember 2004
> März 2005
> April 2005
> Mai 2005
• Ende 2004> 05. Mai 2006
> August 2005> 30. Juni 2006
> Oktober 2005> 03. Juli 2006, morgens
> Anfang Dezember 2005> 03. Juli 2006, abends
> Ende Dezember 2005> 11. Juli 2006
> Februar 2006> September 2006
> März 2006> November 2006
> April 2006

Juni 2001

Die TU München hat angefragt, ob ich nicht zurückkehren und eine Arbeitsgruppe an der chemischen Fakultät aufbauen möchte. Was meine Forschungsaktivitäten betrifft, hätte ich dort mehrere Optionen zur Auswahl. Aber ehrlich gesagt weiß ich schon, woran ich gerne arbeiten möchte: Spinnenseidenproteine. Ein faszinierendes Thema, das mich schon lange reizt – insbesondere deswegen, weil sich schon viele Wissenschaftler vor mir vergeblich daran versucht haben, die Spinnseide für großtechnische Anwendungen nutzbar machen. Das ist meine Chance, der Fachwelt mein Know-how in Sachen Proteinen zu beweisen und, noch viel wichtiger, zu zeigen, dass ich diese scheinbar unlösbare Aufgabe in den Griff bekomme. Eigentlich ist damit die Entscheidung schon gefallen: Ich gehe zurück nach Deutschland.

> November 2001

Ende 2004

Die letzte mündliche Prüfung steht noch an, aber im Großen und Ganzen ist meine Promotion abgeschlossen. Doch wie geht es danach weiter? Prinzipiell stelle ich mir vor, die Universität zu verlassen und in der Industrie zu arbeiten. Eine Managementtätigkeit im Forschungsbereich eines großen Unternehmens würde mich sehr reizen. Allerdings habe ich auch kürzlich direkt an der Uni ein sehr interessantes Angebot bekommen. Thomas Scheibel von der Arbeitsgruppe Fiberlab hat mir vorgeschlagen, mit ihm zusammen Spinnseide, die er in einem selbst entwickelten, biotechnischen Verfahren herstellt, über ein eigenes Unternehmen zu vermarkten. Ich habe seine Forschungstätigkeit von Anfang an mitverfolgt, da er quasi direkt nebenan sitzt. Am Anfang war ich, ehrlich gesagt, nicht überzeugt, dass er das schafft. Aber als er einige Monate später in seinen Seminaren über die ersten Projekterfolge berichtete, wusste ich, dass er die nötige Expertise hatte, um das Verfahren zur Marktreife zu bringen. Ich soll ihn dabei als Partner im operativen Bereich unterstützen.

Jetzt bin ich hin- und hergerissen. Einerseits reizt mich das Angebot von Thomas natürlich sehr. Sein Verfahren zur Erzeugung von Spinnseidenprotein ist einzigartig und er ist jetzt schon mit einer Reihe potenzieller Interessenten aus der Industrie im Gespräch. Zudem könnte ich als Unternehmensgründer in Kürze mein eigener Chef sein. Andererseits hätte ich bei einer Stelle in der Industrie von Anfang an einen relativ sicheren Job und ein sicheres Gehalt. Denn was ist, wenn unsere Unternehmensgründung scheitert? Letztendlich muss ich mich entscheiden, ob ich alles auf Risiko setze oder lieber auf der sicheren Seite bleibe.

> August 2005